Inhaltszusammenfassung:
Near Repeat Victimisation beschreibt den Erklärungsansatz, dass es in der Nähe einer Straftat, i.d.R. einem Einbruch, vermehrt zu Near Repeats (Folgetaten in räumlich-zeitlich nahem Umfeld der Ausgangstat) kommt. Hierbei handelt es sich nicht um eine kriminologisch gefestigte Theorie, sondern eine heuristische Erklärung, die auf der empirischen Erkenntnis basiert, dass Einbrüche häufig räumlich-zeitlich eng geclustert auftreten. Als mögliche Kausalmechanismen hinter dieser räumlich-zeitlichen Interaktion werden in der Literatur häufig Effekte gemäß der Flag- und Boost- Hypothese angeführt, für deren Gültigkeit es bisher nur wenige wissenschaftlich gesicherte Indizien gibt. Dennoch wird das Near Repeat-Postulat häufig benutzt, um basierend auf dieser Konzentration Kriminalitätsrisiken zu prognostizieren und Predictive Policing-Strategien zu implementieren.
Eine genauere Untersuchung der räumlich-zeitlichen Interaktion von Einbruchstaten in Hamburg mithilfe des häufig angewandten Knox-Tests legt nahe, dass der Effekt hauptsächlich von sehr enger räumlich-zeitlicher Konzentration der Taten auf wenige Stunden hervorgerufen wird und außerdem bei exogenen Risikoschwankungen durch den Knox-Test überschätzt wird. Diese Ergebnisse stellen zum einen die Eignung des Near Repeat-Phänomens für Predictive Policing-Konzeptionen in Hamburg in Frage. Sie zeigen zum anderen aber insbesondere die eingeschränkte Validität des Knox-Tests zur Analyse und eingeschränkte Aussagekraft des heuristischen Ansatzes zur Erklärung der Near Repeat Victimisation auf.