Vergleich der Prävalenzen asymptomatischer Low-Grade-Infekte im Implantatlager nach Entfernung von Osteosynthesematerial und Prothesenkomponenten bei Wechseloperationen. Eine prospektive Studie.

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/182960
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1829608
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-124274
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-09-03
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Kessler, Stefan (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2026-04-08
Freie Schlagwörter: Prothese
Low-grade-Infektion
Infektion
Osteosynthese
Endoprothese
Low-grade-Infection
Infection
Prothesis
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Bei Prothesenwechseln nach endoprothetischem Gelenkersatz und bei Metallentfernung nach Osteosynthesen zur Frakturversorgung werden trotz fehlender Infektionzeichen in der Literatur Low-Grade-Infektionen in 17-40% beschrieben (Dapunt et al., 2015; Fuchs et al., 2018). Zum Nachweis können Abstriche, Gewebeproben oder histologische Gewebeuntersuchungen angewendet werden. In dieser Studie sollte überprüft werden, wie hoch die Raten von Low-GradeInfekten bei PatientInnen aus der Orthopädie und Unfallchirurgie bei Prothesenwechsel und Metallentfernung sind und welche prädisponierenden Risikofaktoren dabei bedeutsam sein können. Es sollte geklärt werden, welche diagnostischen Untersuchungen zur Feststellung eines Low-Grade-Infektes am besten geeignet sind und welche Konsequenzen für die Therapie daraus gezogen werden können. Dazu wurden prospektiv alle bis dahin asymptomatischen PatientInnen mit Prothesenwechseln und Metallentfernungen vom 01.06.2023 bis zum 31.12.2024 in die Studie aufgenommen. 369 PatientInnen wurden eingeschlossen, davon 262 (71%) Metallentfernungen und 107 Wechseloperationen (29%). Intraoperativ wurden aus dem Implantatlager Abstriche, Gewebeproben zur mikrobiologischen Untersuchung und ein Gewebestreifen zur histologischen Untersuchung entnommen. Die Gewebestreifen wurden nach HE-Färbung nach der Focus Klassifikation bezüglich der Anzahl der nachgewiesenen neutrophilen Granulozyten eingeteilt. Es wurden die Daten der PatientInnen wie Alter, Geschlecht, BMI, die Art und Lokalisation der eingebrachten Implantate, sowie die präoperativen Entzündungsparameter (Leukozyten und CRP), als auch die Nierenfunktionswerte (Harnstoff und Kreatinin) dokumentiert. Ebenso wurde auch die Qualifikation des Operateurs bzw. der Operateurin bei der Erstoperation erfasst. Die Behandlungsverläufe der PatientInnen mit Low-Grade-Infekten wurden im Rahmen einer Nachuntersuchung nach durchschnittlich 13,7 Monaten erhoben. Die Ergebnisse zeigen hochsignifikante Unterschiede in der Infektionsrate zwischen Orthopädie und Unfallchirurgie, insbesondere mit einer höheren Infektionsrate in der Unfallchirurgie (30 % vs. 2 %). Signifikante Risikofaktoren für Infektionen waren das männliche Geschlecht und Plattenosteosynthesen bei Klavikula- und Oberarmkopffrakturen. Low-Grade-Infektionen wurden signifikant häufiger festgestellt, wenn im präoperativen Labor vor Prothesenwechsel oder Metallentfernung erhöhte Leukozyten- und CRP-Werte gemessen wurden. Cutibacterium acnes war der am häufigsten nachgewiesene Verursacher von Low-Grade Infekten. Gewebeproben hatten mit einer Sensitivität von 76% und einer Spezifität von 98% eine höhere Prädiktion für Low-Grade-Infektionen als Abstriche (Sensitivität 48% und Spezifität 99%) und histologische Untersuchungen (Sensitivität 31% und Spezifität 99%). In fast der Hälfte der Low-Grade-Infektionen passte die perioperative Antibiotikaprophylaxe nicht zum nachgewiesenen Keim. Auf Grundlage der aktualisierten AWMF S3 Leitlinie vom Dezember 2024 sollen bei Osteosynthesen und Prothesen an der Schulterregion die perioperative Antibiotikaprophylaxe von Cefazolin auf Ampicillin/Sulbactam (Unacid©) angepasst werden. Entsprechend der vorliegenden Studienergebnisse und der Leitlinienempfehlungen wurden die klinikinternen SOPs im Hinblick auf zukünftige Behandlungen dieser Art ebenfalls angepasst. Nun soll auch die routinemäßige Entfernung der eingebrachten Plattenosteosynthesen an Klavikula und Oberarmkopf nach abgeschlossenem Heilungsverlauf auch bei asymptomatischen PatientInnen erfolgen. Durch dieses Vorgehen soll die Rate der Low-Grade-Infekte verringert werden. In keinen der nachfolgenden Follow ups zeigten sich weitere klinische Auffälligkeiten.

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