Antikoagulation während aplasierender Chemotherapie

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URI: http://hdl.handle.net/10900/94420
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-944207
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-35804
Dokumentart: Dissertation
Date: 2019-11-07
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Haen, Sebastian (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2019-10-18
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Chemotherapie , Thrombose
Other Keywords: Antikoagulation
Thrombozytenaggregationshemmung
Chemotherapie
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Durch den demographischen Wandel wird die Bevölkerung immer älter. Mit dem steigenden Alter kommt es zu einer steigenden Anzahl von bösartigen Erkrankungen und damit auch zu einer steigenden Anzahl von Begleiterkrankungen. Im Rahmen der malignen hämatologischen Erkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko von thromboembolischen Komplikationen. Auch wurde eine erhöhte Inzidenz von thromboembolischen Ereignissen während einer Stammzelltransplantation, die einen wichtigen Stellenwert in der Behandlungssequenz maligner hämatologischer Systemerkrankungen einnimmt, beobachtet. Erhalten diese Patienten eine Antikoagulation vor, während oder nach der Therapie, so zeigte sich ein zunehmendes Risiko von Blutungen. Allerdings ist die momentane Datenlage zur Antikoagulation während Aplasiephasen sehr übersichtlich und das bestehende Problem des seigenden Risikos einer Blutung während einer prophylaktischen Antikoagulation in Bezug auf das Risiko der Bildung während eines thromboembolischen Geschehens ohne Prophylaxe ist während der Behandlung von hämatologischen malignen Geschehen präsent. Aufgrund dieser Problematik war das Ziel dieser retrospektiven Beobachtungsstudie die Untersuchung der Häufigkeit der Indikation zur Antikoagulation während aplasierender Chemotherapie, die Auswertung der Frage, welche Strategien der Antikoagulation verfolgt wurden und wie die entsprechende Prognose in Bezug auf das Überleben der Patienten war. Außerdem wurde die Inzidenz von Thromboembolien oder Blutungen untersucht. Für diese Untersuchungen wurden vier Kohorten gebildet von den über 18-jährigen Patienten, die im Zeitraum vom 1998 bis 2015 an dem Medizinischen Universitätsklinikum Tübingen behandelt wurden. Die erste Kohorte bildeten 762 Patienten, die in diesem Zeitraum sich einer allogenen Stammzelltransplantation unterzogen, von denen 117 Patienten in die Studie eingeschlossen wurden, die einen Grund zur Antikoagulation aufwiesen. Von den 65 Pateinten, die mit einer autologen Stammzelltransplantation behandelt wurden, wurden sieben eingeschlossen. Die dritte Kohorte bildeten die 423 AML Patienten, die keine Stammzelltransplantation erhielten, von denen 76 Patienten in die Studie eingeschlossen wurden und abschließen die 104 ALL Patienten ohne Stammzelltransplantation, von denen 13 Patienten eingeschlossen wurden. In unserer Studie zeigte sich in keiner der vier Kohorten ein signifikanter Unterschied in Bezug auf das Auftreten kardiovaskulärer oder thromboembolischen Ereignisse zwischen den Patienten mit einer Antikoagulation, beziehungsweise einer Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern und den Patienten ohne solche Therapie. Dabei machte es keinen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt die Patienten das Ereignis erlitten, ob vor, während oder nach der Aplasie, beziehungsweise der Induktionstherapie bei den Pateinten ohne Stammzelltransplantation. Weiter zeigte sich, dass die Patienten nicht häufiger venöse Ereignisse erlitten, wenn sie mit einem Medikament behandelt wurden, welches mehr auf den arteriellen Schenkel wirkt und vice versa kam es nicht häufiger zu arteriellen Ereignissen unter der Therapie mit Medikamenten, die auf den venösen Schenkel wirken. Das in mehreren Studien herausgestellte Blutungsrisiko unter einer Antikoagulation, oder unter der Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern konnte in diesen Untersuchungen nicht verifiziert werden. Im Gesamtüberleben wurde kein Vorteil der allogen oder autolog transplantierten Patienten sowie der AML Patienten mit oder ohne einer antikoagulatorischen Therapie festgestellt werden. Nur bei den ALL Patienten zeigte sich ein signifikant besseres Gesamtüberleben bei den Patienten ohne Antikoagulation. Zusammenfassen kann schlussgefolgert werden, dass die bestehende Problematik der Antikoagulation während der Behandlung von malignen hämatologischen Systemerkrankungen weiterer prospektiver Studien bedarf. Basierend auf den hier erhobenen Ergebnissen konnte kein Nachteil einer Antikoagulation vor, während oder nach der Behandlung der malignen Erkrankung festgestellt werden. Einschränkend muss jedoch sowohl auf das retrospektive Studiendesign als auch auf die teilweise kleinen Fallzahlen verwiesen werden. Die erhobenen Ergebnisse sollten aber die Basis für weitere prospektive klinische Studien bilden.

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