Negative Affektivität und vorzeitige Therapiebeendigung bei Drogenabhängigen

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-9284
http://hdl.handle.net/10900/47277
Dokumentart: Dissertation
Date: 2003
Language: German
Faculty: 6 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Department: Sonstige - Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Advisor: Hautzinger, Martin
Day of Oral Examination: 2003-07-21
DDC Classifikation: 300 - Social sciences, sociology and anthropology
Keywords: Drogentherapie , Therapieabbruch , Psychische Belastung , Depressivität , Negative Affektivität
Other Keywords: Negative Affektivität , vorzeitige Therapiebeendigung , Substanzabhängigkeit , Entwöhungsbehandlung , Therapieabbruch
Negative affectivity , substance abuse treatment , treatment dropout , substance dependence
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Inhaltszusammenfassung:

Die meisten Drogenabhängigen, die sich in eine Entwöhnungsbehandlung begeben, führen diese nicht zu Ende. Es überrascht deshalb nicht, daß es eine Vielzahl von Studien gibt, in denen versucht wurde, die für eine vorzeitige Therapiebeendigung relevanten Klientenmerkmale zu identifizieren. Die Arbeit gibt zunächst einen Überblick über diese bisherigen Forschungsbefunde zur vorzeitigen Therapiebeendigung bei Drogenabhängigen. Mögliche Ursachen des geringen Zusammenhangs zwischen einer vorzeitigen Therapiebeendigung und häufig untersuchten Klientenmerkmalen aus den Bereichen Soziodemographie, Drogenkarriere, Legalität und Behandlungsgeschichte werden diskutiert. Neben methodischen Überlegungen steht hier insbesondere die Relevanz dieser Variablen für das konkrete Verhalten des Klienten in der Therapie im Vordergrund. Als Alternative wird die Variable Negative Affektivität eingeführt. Personen mit hoher Negativer Affektivität neigen in höherem Maß als Personen mit niedriger Negativer Affektivität zum Erleben von Negativem Affekt. Da das Erleben von Negativem Affekt ein starkes Verlangen nach Drogen oder konditionierte Entzugssymptome auslösen kann, wird vermutet, daß bei Klienten, die ihre Therapie frühzeitig vorzeitig beenden, zu Beginn der Therapie im Mittel ein höheres Ausmaß an Negativer Affektivität nachweisbar ist als bei Klienten, die Ihre Therapie zu einem späteren Zeitpunkt beenden. Im empirischen Teil wurden in einer Stichprobe mit 319 Substanzabhängigen Frühabbrecher, Spätabbrecher und reguläre Beender unterschieden. Die Klienten wurden mit dem Ziel der Abstinenz in zwei Therapieeinrichtungen mit 6 und 12 Monaten Therapiedauer behandelt. Grund für die Unterscheidung zwischen Frühabbrechern und Spätabbrechern ist die Überlegung, daß eine vorzeitige Therapiebeendigung zu Beginn der Therapie möglicherweise aus anderen Gründen erfolgt als gegen Ende der Therapie. Frühabbrecher, Spätabbrecher und reguläre Beender wurden in der Gesamtstichprobe und jeweils separat in beiden Therapieeinrichtungen und für beide Geschlechter verglichen. Für die üblicherweise untersuchten Klientenmerkmale aus den Bereichen Soziodemographie, Drogenkarriere, Legalität und Behandlungsgeschichte konnte wie erwartet gezeigt werden, daß es keine oder nur geringe Unterschiede zwischen den drei Gruppen gab. Zudem waren die Unterschiede im allgemeinen nicht stabil in beiden Therapieeinrichtungen oder für beide Geschlechter zu beobachten. Bei der Variable Negative Affektivität war erwartet worden, daß die Frühabbrecher eine höhere Ausprägung als die beiden anderen Gruppen zeigen sollten. Tatsächlich waren aber die Spätabbrecher geringer belastet als die Frühabbrecher und regulären Beender, die sich nicht voneinander unterschieden. Dieses Ergebnis galt aber nicht für die Frauen, bei denen es keine Unterschiede zwischen den drei Gruppen gab. Diese Ergebnisse waren so nicht erwartet worden und werden abschließend diskutiert. Da es bei der Variable Negative Affektivität zu einer hohen Anzahl von fehlenden Daten kam, ist die Validität dieser Untersuchungsergebnisse allerdings nicht gesichert. Es werden deshalb noch einige Hinweise gegeben, wie in zukünftigen Untersuchungen zur Negativen Affektivität der Anteil der Datenausfälle möglicherweise minimiert werden kann.

Abstract:

The majority of all drug users who are seeking substance abuse treatment are dropping out of treatment. Therefore, it is not surprising that there are many studies which try to identify variables which are able to distinguish clients who drop out of substance abuse treatment from clients who complete such treatment. In the first part of the present study the current state of research on dropping out of substance abuse treatment is summarised. Possible causes for the weak correlations between early attrition from substance abuse treatment and often-examined client variables from domains like socio-demography, drug career, legality and prior treatment history are discussed. In addition to methodological considerations, emphasis is put on the question, whether such variables are good predictors of client behaviour in therapy. As an alternative, the variable negative affectivity is introduced. Persons with high levels of negative affectivity are more likely to experience negative affect than persons with low levels of negative affectivity. Since it has been shown that experiencing negative affect may elicit craving or conditioned signs of withdrawal, it is supposed that clients who drop out of treatment at an early point in time have higher levels of negative affectivity at the beginning of treatment than clients who terminate treatment at a later point in time. In the empirical part of the study, early dropouts, late dropouts and completers were distinguished in a sample with 319 substance dependent clients. The clients were treated in two abstinence-oriented programs with 6 and 12 months treatment duration. The distinction between early dropouts and late dropouts is motivated by the consideration, that dropping out of treatment at the beginning of the therapy may have different causes than dropping out of treatment more at the end of the treatment. Early dropouts, late dropouts and completers were compared in the complete sample and separately for each of the treatment programs and for each sex. For the often-examined client variables from domains like socio-demography, drug career, legality and prior treatment history, no or only marginal differences between the three groups were found. Additionally, differences were not stable observable for both treatment programs or for both sexes. For the variable negative affectivity it was to be expected that the early dropouts would have higher levels than the other two groups. However the data for the late dropouts showed lower levels of negative affectivity than for the early dropouts and the completers, while there were no differences between the latter two groups. But this result was not true for females. For females, no differences between early dropouts, late dropouts and completers could be shown. These results were not expected and are discussed. Because of high levels of missing data, the validity of the results for the variable negative affectivity cannot be taken for granted. Therefore, some proposals for minimizing missing data in future studies are given.

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