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Die Kontrastmittel-induzierte akute Nierenschädigung (CI-AKI) stellt eine mit erhöhter
Morbidität und Mortalität assoziierte Komplikation von intravaskulär verabreichtem
iodhaltigen Kontrastmittel dar.
Während die Gesamtinzidenz mittlerweile als sehr niedrig angenommen werden kann,
konnte in Risikopopulationen mehrfach eine erhöhte Inzidenz der CI-AKI festgestellt
werden. Besonders Patienten mit onkologischer Grunderkrankung oder eingeschränkter
Nierenfunktion zeigten ein stark erhöhtes Risiko, bei gemeinsamem Vorliegen dieser
beiden Risikofaktoren lag die Inzidenz der CI-AKI noch deutlich höher.
Gleichzeitig benötigen Krebspatienten oft viele kontrastmittelverstärkte CT-
Untersuchungen und es existieren für die CI-AKI keine spezifischen
Therapiemöglichkeiten, sodass der Risikostratifizierung und Prävention eine besondere
Rolle zukommen.
Etablierte präventive Maßnahmen bestehen hauptsächlich in der Verwendung eines
isoosmolaren Kontrastmittels, bestenfalls in reduzierter Dosis, sowie einer Hydratation
im Rahmen der CT-Untersuchung.
Ziel der Studie war die Überprüfung der Hypothese: Die Inzidenz der CI-AKI ist bei
Verwendung eines isoosmolaren Kontrastmittels in reduzierter Dosis und unter
Anwendung etablierter Präventionsmaßnahmen in dieser Kohorte aus onkologischen
Hochrisiko-Patienten relativ gering und unterscheidet sich nicht wesentlich von der
Gesamtinzidenz der CI-AKI.
Hierzu wurde eine retrospektive Untersuchung von onkologischen Patienten mit einer
errechneten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) von unter 60 ml/min/1,73m2
durchgeführt, die eine kontrastmittelverstärkte CT-Untersuchung mit einer reduzierten Dosis des isoosmolaren Kontrastmittels Iodixanol sowie eine prä- und
postinterventionelle Hydratation erhielten.
Die Auswertung erfolgte anhand von Serumkreatinin- (SKr) und eGFR-Werten in einem
definierten Zeitraum und es erfolgte die Abgrenzung zur Kontrastmittel-assoziierten
akuten Nierenschädigung (CA-AKI), die keinen kausalen Zusammenhang mit der
Kontrastmittelapplikation hat.
Es zeigte sich abhängig von der zugrunde liegenden Definition eine Inzidenz der CA-
AKI von 5,0 % bzw. 8,2 % und der CI-AKI von 3,5 % bzw. 6,0 %. Die eGFR verringerte
sich im Mittel zwar signifikant, jedoch nur um 0,39 ml/min/1,73m2. Die Verteilung der
Inzidenz der CA-AKI suggerierte eine Abhängigkeit zwischen eGFR-Subgruppe und
Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Nierenversagens, welche sich jedoch als
statistisch nicht signifikant herausstellte. Auch die weiteren untersuchten Subgruppen-
Zugehörigkeiten, das Kontrollintervall und die zusätzlichen Risikofaktoren zeigten
keinen eindeutigen signifikanten Einfluss.
Der Verlauf der CI-AKI zeigte sich mit Ausnahme eines Falls als milde reversible
Nierenfunktionseinschränkung entsprechend dem KDIGO-Stadium 1 der akuten
Nierenschädigung. In allen Fällen traten keine neuen klinischen Symptome auf und es
war keine Therapie notwendig. Die Besserung der Nierenfunktion trat überwiegend
innerhalb weniger Wochen ein.
Die Verwendung des SKr zur Diagnosestellung bringt aufgrund der Beeinflussung durch
patientenabhängige Faktoren und der langsamen Dynamik zwar Einschränkungen mit
sich, entspricht jedoch den aktuellen Empfehlungen. Nachdem die Verwendung der
eGFR bereits zur Identifizierung von Patienten mit erhöhtem Risiko für eine CI-AKI
empfohlen wird, erscheint die Ergänzung durch die eGFR auch zur Diagnosestellung
sinnvoll.
Abhängig von der verwendeten Definition ergaben sich signifikante Unterschiede in der
Inzidenz der CI-AKI. Definition 2 (SKr-Anstieg ≥0,3mg/dl oder ≥50%) führte zu einer höheren Inzidenz, doch eine Veränderung des SKr um absolut 0,3mg/dl ausgehend von
den bei allen Patienten erhöhten Ausgangswerten sollte nur relativ wenig Aussagekraft
bezüglich der tatsächlichen Veränderung der Nierenfunktion haben. Im Rahmen dieser
Kohorte erschien daher die Verwendung der mehr auf relativer Veränderung basierenden
Definition 1 (SKr-Anstieg ≥0,5mg/dl oder ≥25% oder eGFR-Abnahme ≥25%) als besser
geeignet, um eine Überschätzung der Inzidenz zu vermeiden. Trotzdem konnte für beide
verwendeten Definitionen kein wesentlicher Unterschied zwischen der in der Literatur
angegebenen Gesamtinzidenz und der hier ermittelten Inzidenz der CI-AKI gezeigt
werden.
Bei genauerer Beleuchtung der Fälle mit aufgetretener akuter Nierenschädigung stellte
sich die Differenzierung zwischen CI-AKI und CA-AKI als äußerst relevante Maßnahme
dar, da in einigen Fällen zeitgleich andere wahrscheinliche Ursachen für die akute
Nierenschädigung vorlagen und das Kontrastmittel somit nicht als kausal angenommen
werden konnte.
Insgesamt ergab sich in dieser Kohorte von Hochrisiko-Patienten eine Inzidenz der CI-
AKI, die vergleichbar mit der in der Literatur beschriebenen Gesamtinzidenz der CI-AKI
und geringer als gemäß früherer Studien zu erwarten war.
Damit zeigt die vorliegende Studie, dass unter Anwendung präventiver Maßnahmen eine
reduzierte Dosis des isoosmolaren Kontrastmittels Iodixanol auch bei Hochrisiko-
Patienten mit onkologischer Grunderkrankung und eingeschränkter Nierenfunktion ohne
erhöhtes Risiko für eine CI-AKI angewendet werden kann. |
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