Inhaltszusammenfassung:
Eine reduzierte Kaufunktion kann verschiedene Erkrankungen sekundär begünstigen, weshalb die Ergänzung des Behandlungskonzepts durch valide Testverfahren zur objektiven Beurteilung der Kauleistung sinnvoll erscheint.
Ziel dieser Untersuchung war es, den Einfluss der prothetischen Versorgung des Gegenkiefers sowie einer reduzierten Restbezahnung auf die Kaufunktion von Patienten mit kombiniert festsitzend-herausnehmbarem auf Doppelkronen zu untersuchen.
In die Studie wurden 163 Patientinnen und Patienten (78 Frauen, 85 Männer) mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren eingeschlossen.
Für die Erhebung der Kauleistung wurde der Kaufunktionstest nach Prof. Slavicek verwendet. Dabei wurden standardisierte Fruchtgummi-Proben auf Gelatinebasis in den Härtegraden weich, mittel und hart jeweils 30 Sekunden zerkaut. Ergänzend wurde der OHIP-G14 Fragebogen ausgefüllt und die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität (MLQ) ermittelt.
Anschließend wurden die entstandenen Partikel mithilfe einer computergestützten Bildanalyse hinsichtlich ihrer Anzahl und ihrer Gesamtoberfläche ausgewertet. Als Maß für die Kaueffizienz diente der Masticatory Efficiency Index (MEI), der aus dem Verhältnis von Partikelanzahl zur Gesamtoberfläche berechnet wurde (N/mm²).
Die Patienten wurden bezogen auf ihre prothetische Versorgung in drei Gruppen eingeteilt: Kombi-ZE in beiden Kiefern (Gruppe A), Kombi-ZE in einem Kiefer und festsitzender Zahnersatz oder natürliche Bezahnung im Gegenkiefer (Gruppe B), Totalprothese in einem und Kombi-ZE im Gegenkiefer (Gruppe C). Zusätzlich wurde differenziert betrachtet, ob in einem, beiden oder keinem Kiefer ein reduziertes Restgebiss (Zahnzahl 4) vorlag.
In Bezug auf die prothetische Versorgung im Gegenkiefer konnten Probanden mit einer natürlichen oder festsitzenden Gegenbezahnung eine nachweislich bessere Kauleistung aufweisen als solche, die mit Kombi-ZE in beiden Kiefern versorgt waren. Das Tragen einer Totalprothese im Gegenkiefer veränderte die Kauleistung hingegen nicht signifikant. Weiterhin konnten Patienten ohne ein reduziertes Restgebiss signifikant besser kauen als bei Vorliegen eines reduzierten Restgebisses in einem oder beiden Kiefern.
Es lagen zudem keine signifikanten Unterschiede zwischen der Kauleistung der einzelnen Gruppen und der MLQ vor. Trotz reduzierter Kauleistung blieb die MLQ hoch.
Bei Verdacht auf eine eingeschränkte Kauleistung sollte ein Kaufunktionstest durchgeführt und bei Bedarf durch prothetische Rehabilitation, funktionelles Training und regelmäßige Nachsorge eine gezielte Verbesserung erfolgen. Bei der Behandlungsplanung von Patientinnen und Patienten doppelkronenverankertem Zahnersatz ist, sofern klinisch realisierbar, eine natürliche Bezahnung oder eine festsitzende antagonistische Versorgung anzustreben.