Inhaltszusammenfassung:
Das Krankheitsbild der Endometriose zählt zu den häufigsten benignen Erkrankungen in der Gynäkologie. Hierbei handelt es sich um eine chronisch entzündliche Erkrankung, bei der es zu einer Migration Endometrium-ähnlichen Gewebes außerhalb der Gebärmutter kommt. Be-troffene klagen häufig über Dysmenorrhoe, Dyspareunie, Dysurie und Dyschezie sowie ggf. weitere Symptome, welche im Schnitt über 5-10 Jahre ohne adäquate Diagnose verbleiben. Insbesondere die subjektive, individuelle Wahrnehmung der Schmerzen führt oft zu einem hohen Leidensdruck und einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität.
Aufgrund der weiterhin unklaren Pathogenese gibt es zwar multiple Therapieansätze, jedoch keine kausale Therapie.
Noch immer stellt deshalb der operative Ansatz in Kombination mit Hormonpräparaten und Analgetika den Goldstandard dar, nicht selten allerdings begleitet von entsprechenden Ne-benwirkungen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer weiteren, bisher in dieser Weise nicht unter-suchten Behandlungsmethode von Schmerzen bei Endometriose. Aufgrund steigender Nach-frage nach Alternativen zu bestehenden Therapien, aber auch dem nachvollziehbarerweise großem Wunsch der meist jungen Patientinnen nach Selbstwirksamkeit, entstand die Idee, Schmerzen anhand von Entspannung- und Aktivitätsprogrammen mittels Virtual Reality-Technology positiv zu beeinflussen. Für diese Programme wurden 25 ausgewählte Patientin-nen mit VR-Brillen ausgestattet, welche zeitlich und örtlich unabhängig im Rahmen einer 14-wöchigen prospektiven Pilot-Studie angewendet werden sollten.
Trotz kleiner Stichprobe zeigen die Ergebnisse erste Tendenzen zur Reduktion der Schmer-zen, insbesondere in Zusammenhang mit der Anwendung von Entspannungstechniken.
Ebenfalls positiv beeinflusst fühlen sich die Teilnehmerinnen in Bereichen wie der Wahrneh-mung und der Katastrophisierung ihrer Schmerzen, bei der zudem eine Reduktion in der Emp-findung der Hilflosigkeit erzielt werden kann. Eine klare Richtung zeichnet sich auch im Zu-sammenhang von Schmerzen und der Wahrnehmung von Stress, Angst und Depressionen ab, denn hier geben Probandinnen in allen drei Bereichen positive Veränderungen in Verbin-dung mit der Anwendung von Entspannungstechniken an. Auch im Bereich des Schlafes zeig-ten einige Indizes positive Effekte, ebenfalls im Zusammenhang mit dem Einsatz von Ent-spannungstechniken. Weniger effektiv zeigte sich für alle erfassten Bereiche die Anwendung von Aktivitätsübungen, da diese laut Rückmeldung der Patientinnen gegenüber anderen All-tagsaktivitäten keinen besonderen Mehrwert ergeben hätten.
In Anbetracht dessen, dass die Endometriose ein chronisches Krankheitsbild mit enormer Einschränkung der Lebensqualität darstellt und großen Einfluss auf ganz viele Lebensberei-che der betroffenen Frauen hat, ist eine stetige Weiterentwicklung der Behandlungsoptionen unabdingbar. Bis zur endgültigen Klärung der Pathogenese und einer, dadurch idealerweise möglichen Kausaltherapie, muss das Hauptaugenmerk auf einer Verbesserung bzw. Ergän-zung der symptomatischen Therapie liegen. Die vorliegende Studie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erweiterung der supportiven Maßnahmen als eine immer wichtiger werdende Säu-le der Endometriosetherapie. Neben möglichst nebenwirkungsfreien Anwendungen geht es darum, Patientinnen nicht nur eine weitere Therapieoption zu bieten, sondern vor allem über ein Gefühl der Selbstwirksamkeit und einer dadurch erlangten größtmöglichen Unabhängig-keit, ihre Lebensqualität trotz des chronischen Charakters der Endometriose zu verbessern.