Quantitativ zelluläre Untersuchung der Kleinhirnkerne von Säugetieren - ein Beitrag zur Untersuchung von Skalierungsmodellen über die Abhängigkeit der Zelldichte von der Hirngröße

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/177971
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1779716
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1779716
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-119295
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-04-02
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Zahnmedizin
Gutachter: Sultan, Fahad (PD Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2025-06-06
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Umso größer ein Gehirn ist, desto größer sind ihre Elemente oder ihre Bestandteile nehmen quantitativ zu. Diese Skalierung ist jedoch nicht immer zutreffend. Im Säugetiergehirn sind verschiedene Netzwerkarchitekturen nachzuweisen. Im Kleinhirn befinden sich beispielsweise die Axone der Körnerzellen (die Parallelfasern), die unabhängig von der Hirngröße eine konstante Länge besitzen. Die Dichte der Körnerzellen bleibt somit trotz veränderter Hirngröße konstant (Schüz et al., 2009). Dieser Skalierungsunterschied sorgt dafür, dass das Kleinhirn etwa 15% des gesamten Hirnvolumens einnimmt, jedoch 80% der Neurone des Gehirns enthält (Azevedo et al., 2009). Diese Abweichung von den Skalierungsregeln ist nicht nur eine Besonderheit der Körnerzellen des Kleinhirns, sondern findet sich wieder im Nucleus dentatus des Kleinhirns, der wichtigsten Verbindungsstruktur zwischen dem zerebralen und dem zerebellären Cortex. Wir erhoffen uns mit unserer Arbeit, wichtige Einblicke in die Netzwerkverknüpfung des Kleinhirns gewinnen zu können und die Gründe für außergewöhnliche Skalierung zwischen dem zerebralen und dem zerebellären Cortex an ihrem verbindenden Knotenpunkt herauszufinden. In unserer Studie zeigen die Dichte und die Verteilung von Neuronen und Gliazellen sowie die dendritische Struktur innerhalb der verschiedenen DCN nach der statistischen Testung signifikante Variationen auf. Die höheren dendritischen Dichten und Längen im LN und PIN weisen auf eine komplexere Verdrahtung hin, die für die funktionelle Spezialisierung dieser Kerne von Bedeutung sein könnte. Außerdem trägt die Klassifizierung der DCN nur geringfügig zur Erklärung der Variabilität der Neuronendichte bei. Die Speziesklassifikation dahingegen hat einen großen Einfluss auf die Erklärung der Variabilität. Wir konnten herausfinden, dass die geringere Neuronendichte beim Rhesusaffen einer regelmäßigen Abnahme der Neuronenzahl bei Tieren mit größerem Gehirn entspricht. Des Weiteren zeigen unsere Ergebnisse eine geringere dendritische Volumenfraktion in den DCN im Vergleich zu anderen Hirnregionen. Bei der Auswertung der dendritischen Längendichte haben wir für die Ratte mit verschiedenen Ansätzen eine gute Übereinstimmung für die Menge an LN/ dentatus Dendriten pro Neuron erhalten. Beim DCN des Rhesusaffen haben wir eine größere Menge an Dendriten pro Neuron als bei der Ratte aufgrund linearer Skalierung projetziert und gemessen (Sultan et al., 2003). Unsere Messungen für MN und PIN liegen eindeutig innerhalb der Konfidenzintervalle unserer Schätzung. Beim Primaten LN/ dentatus jedoch ist die tatsächliche dendritische Länge pro Neuron jedoch um die Hälfte geringer ausgefallen als erwartet. Mit unseren Analysen in dieser Studie konnten wir sowohl vorhersehbare Skalierungen wie die Abnahme der Neuronendichte und Zunahme der dendritischen/ axonalen Länge, als auch unvorhersehbare wie kleinere dendritische Bäume im am stärksten vergrößerten LN/ dentatus der Primaten feststellen (Hamodeh et al., 2014; Sultan et al., 2003). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie nicht nur zur Klärung der grundlegenden anatomischen Eigenschaften der Kleinhirnkerne beiträgt, sondern auch wichtige Erkenntnisse über die funktionelle Organisation des Kleinhirns liefert. Die Analyse der neuronalen Dichte, der Zellgrößenverteilung und der dendritischen Architektur bietet wertvolle Hinweise darauf, wie die Kleinhirnkerne zur Koordination und Feinabstimmung motorischer und kognitiver Prozesse beitragen. Zukünftige Forschungen könnten sich darauf konzentrieren, wie diese strukturellen Merkmale bei neurologischen Erkrankungen verändert sind, was neue Ansätze für therapeutische Interventionen ermöglichen könnte.

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