Inhaltszusammenfassung:
Pädiatrische Hirntumoren stellen trotz ihrer Seltenheit eine bedeutende Ursache für kindliche Morbidität und Mortalität dar. Sie entstehen aus neuronalen und glialen Vorläuferzellen und werden gemäß der WHO-Klassifikation von 2021 in verschiedene Tumorgruppen wie Gliome, glioneuronale Tumoren, Ependymome und embryonale Tumoren unterteilt. Zu den häufigsten zählen Gliome (v.a. pilozytische Astrozytome), gefolgt von Medulloblastomen und Ependymomen. Die Symptomatik ist variabel und richtet sich nach Tumorlokalisation und Alter; häufige Beschwerden sind Kopfschmerzen, Erbrechen und neurologische Auffälligkeiten. Eine zeitnahe Diagnosestellung wird durch unspezifische klinische Symptome, altersabhängige Einschränkungen in der Kommunikation sowie limitierten Zugang zu bildgebenden Verfahren erschwert. Die MRT stellt das zentrale Verfahren zur präoperativen Diagnostik kindlicher Hirntumoren dar und erlaubt durch verschiedene Sequenzen eine detaillierte Gewebedarstellung. Bei kleinen Kindern ist sie jedoch häufig nur unter Sedierung durchführbar, was den Zeitraum bis zur Diagnose zusätzlich verzögern kann und eine Belastung für den Patienten darstellt. Ergänzend dient die Sonographie – insbesondere über ONSD- und TVD-Messungen – als strahlungsfreies, schnelles Mittel zum Nachweis/Ausschluss eines Hydrocephalus und zur Einschätzung des ICP. Die Ultraschallparameter korrelieren gut mit MRT-Befunden und eignet sich als frühzeitiges Screening bei unspezifischen Symptomen zur Verbesserung der Erkennungsrate und Verkürzung des Intervalls bis zur Diagnose.
In dieser Arbeit wurden insgesamt 198 MRT-Aufnahmen von Kindern mit der Diagnose Hirntumor untersucht und retrospektiv ausgewertet. Die Datengrundlage bildete eine klinikeigene Datenbank. Erfasst wurden u.a. Alter, Geschlecht, Tumorart, -lokalisation, klinische Symptomatik, WHO-Malignitätsgrad, sowie verschiedene bildgebende Parameter wie der Durchmesser des dritten Ventrikels, der Optikusnervenscheidendurchmesser und die Frontal Occipital Horn Ratio, ebenso wie das Tumorvolumen. Die Auswertung erfolgte überwiegend anhand T2-gewichteter Sequenzen. Die Tumorvolumetrie wurde mittels der Brainlab-Software durchgeführt. Die statistische Analyse erfolgte mittels IBM® SPSS Statistics 30.0.0.0. Dabei wurden Zusammenhänge zwischen Tumorentitäten, anatomischer Lokalisation, Alter sowie erhöhtem ONSD, TVD und FOHR analysiert. Weitere Auswertungen erfolgten für definierte Subgruppen.
Die Analyse zeigt, dass in der Altersgruppe der 0-4 sowie 5-11-Jährigen die Kombination von TVD mit klinischen Symptomen wie Seiltänzergang und Gangunsicherheit eine starke Vorhersagekraft für infratentorielle Tumorlokalisation besitzt. Auch bei Jugendlichen im Alter von 12-18 Jahren ist die Verbindung von TVD mit pathologischen Gangstörungen ein signifikanter Prädiktor. Zudem bestehen moderate positive Korrelationen zwischen TVD, ONSD und dem Gesamtvolumen der Tumoren, wobei diese Zusammenhänge bei infratentoriellen Tumoren am stärksten ausgeprägt sind. Diese Ergebnisse betonen die Relevanz der kombinierten Betrachtung ultraschallbasierter und klinischer Parameter zur verbesserten Einschätzung von Tumorlage und -größe bei Kindern und Jugendlichen.
Die Studie zeigt, dass klinische Symptome wie Gangunsicherheit und Erbrechen zusammen mit dem TVD im Ultraschall eine wichtige Rolle bei der frühzeitigen Erkennung und Lokalisation von Hirntumoren im Kindesalter spielen. Der Optikusnervenscheidendurchmesser erwies sich hingegen als weniger aussagekräftig. Die Kombination von TVD und spezifischen neurologischen Symptomen verbessert die diagnostische Genauigkeit deutlich und kann die Diagnosefindung unterstützen.
Dies bedeutet, dass die Überlegung besteht, den TVD als ergänzenden Parameter in der Erstdiagnostik bei Verdacht auf Hirntumor und Symptomen zu etablieren. Die Entwicklung eines standardisierten, symptom- und ultraschallbasierten Früherkennungs-Scores (z. B. „PANDA-Sound Score“) könnte dazu beitragen, Diagnosezeiten zu verkürzen und die Prognose von Kindern mit Hirntumoren zu verbessern. Zukünftige prospektive Studien sind notwendig, um diese Ansätze weiter zu validieren und klinisch zu verankern.