Inhaltszusammenfassung:
Die korrekte Bestimmung der Patellahöhe ist ein essenzieller diagnostischer Bestandteil zur Beurteilung von Kniegelenkspathologien. Die präoperative Planung, sowie die postoperative Verlaufskontrolle stützen sich dabei in vielerlei Hinsicht auf diesen Parameter. Postoperative Beschwerden konnten in Verbindung mit Lageveränderungen der Patella gebracht werden. Unterschiedliche Arbeitsgruppen befassten sich bereits mit der Bestimmung der Patellahöhe, dabei wurden einige Indices entwickelt, jedoch konnte sich bisher keiner als Goldstandard durchsetzen. Die bisherigen Methoden orientieren sich größtenteils anatomisch an tibialen Messpunkten - diese können jedoch postoperativ verändert oder zum Teil nicht mehr vorhanden sein und erschweren dadurch einen Vergleich und eine adäquate Interpretation. Der FPHI (Femoral Patellar Height Index) ist eine femurbasierte Messmethode, welche aus dem Quotienten zwischen dem Abstand des Kortex der femuralen Epikondylen (A) und der Distanz zwischen Patellabasis und der Gelenkfläche der Femurkondylen (B) gebildet wird. Da es bei einer Versorgung mittels Knietotalprothese in der Ganzbeinstandaufnahme häufig zu einer Überlagerung der Patella durch das eingesetzte Implantat kommt, musste der FPHI angepasst werden. Der Umrechnungsfaktor X, welcher sich aus dem Verhältnis zwischen Distanz B (präoperative Ganzbeinstandaufnahme) und B’ (Distanz der Patellabasis und der Gelenkfläche der Femurkondylen, präoperativ, laterale Kniegelenksaufnahme) bildet, wird dabei mit der Distanz B multipliziert. Diese Arbeit sollte, bei 300 Patienten mit einem gesunden und einem pathologischen Kniegelenk, Aufschluss geben über Normwerte des FPHI, Alters- und Geschlechtsunterschiede, einen Einfluss der Beinachse auf die Lage der Patella und einem Vergleich mit den gängigen Indices (Insall-Salvati Index, Blackburne-Peel Index, Caton-Dechamp Index). Im zweiten Teil erfolgte eine Übertragung des FPHI auf 100 Patienten mit einem gesunden und einem operierten Kniegelenk (endoprothetische Versorgung Typ Columbus). Hierbei wurden die Patienten ebenfalls auf Normwerte, Alters- und Geschlechtsunterschiede, einen Einfluss der Flexionsstellung auf den angepassten FPHI und einen Vergleich der oben erwähnten Indices, einschließlich dem Miura-Kawamura Index und dem modifizierten Insall-Salvati Index, überprüft.
Als Patella norma wurden für den FPHI Werte zwischen 1,51 und 1,56 festgelegt. Werte < 1,51 definieren eine Patella alta, Werte > 1,56 eine Patella baja. Dies überschneidet sich mit den Werten der Studie von Ihle et al. [22]. Die Normwerte des angepassten FPHI liegen zwischen 1,49 und 1,58. Werte < 1,49 definieren eine Patella baja, Werte > 1,58 eine Patella alta. Prä- zu postoperativ kam es zu einer signifikanten Höhenveränderung mittels angepasstem FPHI. Alters- und Geschlechtsunterschiede wurden im ersten Teil der Studie bei jüngeren Patienten festgestellt. Dabei wiesen Frauen vermehrt eine Patella alta auf. Dies beruht auf Unterschiede der Anatomie zwischen Männer und Frauen. Der Flexionswinkel hat keinen Einfluss auf den Index. Die Beinachse zeigt eine signifikant negative Korrelation mit dem FPHI für die pathologische Seite. Die Ergebnisse lassen sich mit vorherigen Studien zur Lage der Patella bei einer varischen Beinachse vergleichen. Die zuvor genannten Indices korrelieren weder mit dem FPHI, noch untereinander und lassen somit keinen direkten Vergleich zu. Dies ist bei der Interpretation im klinischen Setting zu berücksichtigen. Abschließend ist der FPHI als neuer Goldstandard zur Bestimmung der Patellahöhe weiterhin kritisch zu betrachten und bedarf weiteren Studien sowie einer weiteren Anpassung des FPHI, um vergleichbare Normwerte zu erhalten.