Querschnittsstudie zu Komplikationen und Folgeerkrankungen der Therapie mit Glukokortikoiden bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden unter Berücksichtigung der Patientenperspektive

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/173716
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1737160
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1737160
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-115041
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-01-08
Originalveröffentlichung: erschienen in: RMD Open. 2024;10:e003956.
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Hellmich, Bernhard (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2025-12-08
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Schlagworte: Glucocorticosteroide , Vaskulitis , ANCA , Rheumatologie
Freie Schlagwörter: Patientenperspektive
ANCA-assoziierte Vaskulitis
Nebenwirkungen
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

ANCA-assoziierte Vaskulitiden (AAV), welche die Granulomatose mit Polyangiitis (GPA), die Mikroskopische Polyangiitis (MPA) und die Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA) umfassen, sind seltene und schwere systemische Autoimmunerkrankungen. Trotz des Einsatzes von modernen immunsuppressiven Therapien spielen Glukokortikoide (GC) weiterhin eine entscheidende Rolle in der Therapie der AAV. Durch schwere Krankheitsverläufe und die hohe Rezidivrate erhalten Patienten mit AAV im Verlauf ihrer Erkrankung eine hohe kumulative GC-Dosis, was theoretisch ein hohes Risiko für GC-assoziierte Komplikationen und Folgeerkrankungen birgt. Da eine systematische Erfassung von GC-assoziierten Nebenwirkungen bei Patienten mit AAV bis dato kaum erfolgt ist, sollte unsere Studie sowohl die Prävalenz von GC-assoziierten Nebenwirkungen als auch die Perspektive von Patienten mit AAV zur Therapie mit Glukokortikoiden untersuchen. In diese monozentrische Studie wurden Patienten mit neu diagnostizierter und prävalenter AAV eingeschlossen. Die Daten wurden zum einen aus den elektronischen Patientenakten und zum anderen im persönlichen Interview und mit einer körperlichen Untersuchung der Patienten gewonnen und beinhalteten unter anderem die Krankheitsaktivität, Organmanifestationen, die GC-Dosis und AAV-Rezidive. Als neues und standardisiertes Messinstrument für GC-Toxizität wurde der Glucocorticoid Toxicity Index 2.0 (GTI 2.0) angewandt. Die Daten wurden prospektiv an zwei Zeitpunkten (t1 und t2) im Abstand von 6 Monaten erhoben. Die Patientenperspektive wurde zum einen im persönlichen Interview und zum anderen in Fragebögen erhoben. Eine Kohorte von stationären Patienten, welche noch nie eine systemische GC-Therapie erhalten hatten, diente als Kontrollgruppe. Die Studie beinhaltete 138 Patienten mit AAV und 68 Kontrollpatienten. In der Gruppe der AAV-Patienten zeigte sich eine hohe Prävalenz von GC-assoziierten Komplikationen und Folgeerkrankungen. Die Prävalenz von chronischen GC-assoziierten Erkrankungen und Ereignissen war in der AAV-Gruppe höher als in der Kontrollgruppe. AAV-Patienten mit aktiver Erkrankung zeigten eine hohe GC-Exposition zwischen t1 und t2, eine hohe Prävalenz von akuten GC-assoziierten Komplikationen und auch eine hohe aktuelle GC-Toxizität im GTI 2.0. Ältere AAV- Patienten waren häufiger von GC-assoziierten Komplikationen betroffen als jüngere. Bei Frauen konnte eine höhere Rate an Osteoporose festgestellt werden als bei Männern. GC-Exposition und GC-Toxizität zeigten einen signifikanten Zusammenhang. Die Berechnung einer GC-Schwellendosis, welche das Risiko einer klinisch relevanten Verschlechterung der GC-Toxizität sehr wahrscheinlich macht, ergab eine Dosis von 935mg Prednisolon-Äquivalent. In der Auswertung der Fragebögen zur Lebensqualität schnitten AAV-Patienten schlechter ab als Kontrollpatienten. Eine höhere Krankheitsaktivität wirkte sich negativ auf die Lebensqualität von AAV-Patienten aus. Die Auswertung der Patientenperspektive zeigte ein gespaltenes Bild. Sowohl negative als auch positive Aspekte der GC- Therapie wurden von AAV-Patienten häufig berichtet.Die Studie analysierte die Prävalenz von GC-Toxizität in einer großen Kohorte von AAV-Patienten unter Berücksichtigung der Patientenperspektive. Die Prävalenz von GC-assoziierten Nebenwirkungen war in dieser Studie etwas höher als in vergleichbaren Voruntersuchungen. AAV-Patienten mit aktiver Erkrankung und aktuell hoher GC-Exposition haben ein erhöhtes Risiko für akute GC-assoziierte Komplikationen, während AAV-Patienten in Remission mit längerer Exposition gegenüber GC ein erhöhtes Risiko für chronische GC-assoziierte Folgeerkrankungen aufweisen. In der AAV-Gruppe überwogen vor allem chronische GC-assoziierte Folgeerkrankungen, was sich auf den großen Anteil von AAV-Patienten in Remission zurückführen lässt. Die Infektionsrate war in dieser Studie niedriger als in vergleichbaren Voruntersuchungen und wurde mutmaßlich durch den konsequenten Einsatz infektionsprophylaktischer Maßnahmen beeinflusst. Die Annahme der Dosisabhängigkeit von GC-Toxizität konnte in dieser Studie bestätigt werden. Die Berechnung der GC-Schwellendosis zeigt, dass auch eine niedrig dosierte GC-Therapie von knapp über 5mg/d Prednisolon-Äquivalent das Risiko des Auftretens von GC-Toxizität birgt. Die in Voruntersuchungen berichtete erhöhte Vulnerabilität von älteren Patienten konnte in dieser Studie bestätigt werden. Unsere Daten zu GC-assoziierten Nebenwirkungen bei AAV-Patienten unterstützen die Bestrebungen, neue GC-sparende Therapiemodelle zu entwickeln. Der GTI 2.0 ist dabei ein geeignetes Messinstrument, um die GC-Toxizität im Verlauf zu überwachen. Beim Monitoring von GC-assoziierten Nebenwirkungen sollten gruppenspezifische Aspekte berücksichtigt werden. Da AAV-Patienten insgesamt gut über GC-assoziierte Nebenwirkungen informiert sind, sollten die Erfahrungen der Patienten im Monitoring der GC-Therapie berücksichtigt werden.

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