Beschwerdeprofil und Behandlungserfahrungen von Patienten, die Sprechstunden für Schmerzen und Funktionsstörungen des stomatognathen Systems an deutschen Universitätsklinika in Anspruch nehmen

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/151674
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1516742
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-93014
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2024-03-07
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Zahnmedizin
Gutachter: Huettig, Fabian (Prof. Dr. )
Tag der mündl. Prüfung: 2024-02-05
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Freie Schlagwörter: Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD
Gesichtsschmerz
Psychosomatik
Versorgungsstudie
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Patienten mit orofazialen Schmerzen und Funktionsstörungen des Gesicht-, Mund- und Kieferbereichs haben in vielen Fällen eine lange Krankengeschichte. Aufgrund der Komplexität des Krankheitsbildes „CMD“ wird Hilfe bei mehreren Heilberufen gesucht. Aufgrund der Komplexität der CMD-assoziierten Erkrankungen, sowie erst neu etablierter Diagnoseschemata und fehlender interdisziplinärer Kooperation kommt es oftmals zu fehlerhafter, unvollständiger oder stark verzögerter Diagnosestellung, was bei vielen Patienten zu einer Chronifizierung der Beschwerden führen kann - bis hin zu therapieresistenten Beschwerden. Um solche Patienten und auch Akutpatienten aufzufangen, werden an vielen deutschen Universitätsklinika Spezialsprechstunden angeboten. Forschungsleitfrage der vorliegenden Studie war, welches Beschwerdeprofil und welche Behandlungserfahrungen Patienten vorweisen, die Sprechstunden für Schmerzen und Funktionsstörungen des stomatognathen Systems an deutschen Universitätsklinika in Anspruch nehmen. Betrachtet wurden hierbei krankheitsepidemiologische Variablen sowie auch versorgungsepidemiologische Variablen; und ob diese zwischen den Standorten gleich sind. Im Rahmen der Exploration wurde eine anonymisierte Briefkartenbefragung durchgeführt. Insgesamt konnten 9 Universitätsklinika (Tübingen, Frankfurt am Main, Dresden, Leipzig, Halle, Bonn, Göttingen, Marburg, Münster) deutschlandweit rekrutiert werden, die im Rahmen der dort durchgeführten CMD- Spezialsprechstunden die der Studie zugrunde liegenden Daten lieferten. Der Studienzeitraum, erstreckte sich von September 2016 bis Juli 2019. 1273 Briefkarten wurden bis zum 1.07.2019 rückversandt, 20 Karten davon aus der allgemeinen Analyse ausgeschlossen, da zu wenig relevante Antworten auf diesen enthalten waren. Zwei Standorte (Halle und Dresden) wurden aufgrund der geringen Anzahl an Rückläufern nur in der Patientenprofil-Auswertung berücksichtigt. Die Patienten in Spezialsprechstunden können entlang der Forschungsfragen wie folgt beschrieben werden: Drei von vier Patienten waren weiblich und die Patienten im Median 43 Jahre alt. Durchschnittlich hatten die Patienten vor ihrem Besuch in der Spezialsprechstunde bereits drei andere Heilberufe (inkl. Zahnmedizin und Physiotherapie) aufgesucht. Die Patienten mit wide spread pain zeigten hier eine gesteigerte Inanspruchnahme von Heilberufen. Etwa 90% der Patienten der jeweiligen Kliniken kamen aus einem geographischen Umkreis von 100 km. Konkret sind aber auch darunter „Long-travel-Effekte“ zu beobachten, sowie bei geographisch benachbarten Unikliniken geteilte Einzugsgebiete. Mit Rücksicht auf die Vergleichbarkeit der Patienten in den Zentren, sind Divergenzen in der Anzahl der zuvor besuchten Heilberufe im Standortvergleich zu beobachten (Tübingen 3,8 vs. Halle und Leipzig mit 2,6). Die Alters-sowie die Geschlechtsverteilung ist an allen Standorten annähernd gleich: 75% weiblich, 25% männlich; mit einer Häufung der Inanspruchnahme im Alter von 28 sowie 53 Jahren. Die Patienten mit bereits chronifizierten Schmerzen (über 0,5 Jahre Beschwerdedauer) besuchten die Spezialsprechstunden; ungefähr die Hälfte hatte bereits seit über 2 Jahren Schmerzen. Am häufigsten hatten Patienten Beschwerden im Kiefer (83%), gefolgt von Nackenschmerzen (64%), Rückenschmerzen (44%) und Ohren- und Zahnschmerzen (jeweils 43%), wobei mit zunehmender Schmerzdauer auch eine höhere Anzahl von Schmerzregionen (insbesondere Rücken, Nacken, Knie) und Begleitsymptomen vergesellschaftet war. Die Frauen hatten im Mittel eine höhere Beschwerdelast als Männer. So gaben die weiblichen Teilnehmer am häufigsten Beschwerden von 8 an, Männer von 5, wobei sich 50% der Daten bei Frauen zwischen 4 und 8, bei Männern zwischen 3 und 7 befanden. Deutliche Unterschiede gibt es bei der Therapieerfahrung der Patienten, wobei die größten Differenzen im Standortvergleich bei der Verordnung von Physiotherapie bestehen, gefolgt von der Schienentherapie. Der Einsatz von Medikamenten korreliert zwar mit ansteigender Beschwerdelast, wird aber von nicht einmal jedem zweiten Patienten als Therapieerfahrung bzgl. seiner Beschwerden benannt.

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