Qualitätsmanagement in der allgemeinmedizinischen Lehre unter dem Aspekt der studentischen Partizipation – Status quo und Lösungsansatz in Form eines multiperspektivischen Qualitätszirkels

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URI: http://hdl.handle.net/10900/127804
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1278040
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-69167
Dokumentart: Dissertation
Date: 2022-06-03
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Joos, Stefanie (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2022-05-09
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Other Keywords: Qualitätszirkel
Multiperspektivität
Studentische Partizipation
Qualitätsmanagement
Lehrforschung
Allgemeinmedizinische Lehre
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Inhaltszusammenfassung:

Hintergrund: Die allgemeinmedizinische Lehre findet überwiegend dezentral in hausärztlichen Praxen statt und zeichnet sich durch inhaltliche, didaktische und organisatorische Besonderheiten aus. Die heterogenen Rahmenbedingungen in den Praxen sowie der Niedrigprävalenzbereich stellen sowohl die Studierenden als auch die Lehrenden vor besondere Herausforderungen, um Lernen optimal gestalten zu können. Die aktuellen Entwicklungen im Medizinstudium, wie die neue Approbationsordnung und der Masterplan 2020 erfordern innovative administrative, organisatorische und didaktische Prozesse im Hinblick auf Qualitätssicherung. Bisher sind dafür sowohl national als auch lokal nur wenige Instrumente beschrieben. Einen Ansatz zur Bewältigung dieser Herausforderungen stellt der 2018 gegründete multiperspektivische Qualitätszirkel für die allgemeinmedizinische Lehre in Tübingen dar. Der Qualitätszirkel hat primär die Ausrichtung von Lehrprozessen mit daraus resultierenden Veränderungen im Fokus und arbeitet unter Einbeziehen vieler unterschiedlicher Perspektiven (Studierende, Lehrende, Administration, Medizindidaktik, Pflege). Ziel der Studie war es, die lokale Arbeit des Qualitätszirkels vor dem Hintergrund nationaler Herausforderungen in der Lehre systematisch zu beschreiben und daraus ein Modell abzuleiten, das auf nationaler Ebene weiterentwickelt und implementiert werden kann. Methode: In einem gemischtmethodischen Ansatz wurde zunächst eine deutschlandweite quantitative Befragung aller allgemeinmedizinischen Einrichtungen (N=36) anhand eines selbstentwickelten Fragebogens und mit drei konkreten Fallbeispielen zur Qualitätssicherung in der Lehre durchgeführt, um den Status Quo und bereits bestehende Handlungspfade in der Qualitätssicherung zu erheben. Es wurden pro Einrichtung jeweils die Lehrkoordination und -administration kontaktiert, sodass die Studienpopulation bei N=72 lag. Aus den Ergebnissen dieser Befragung wurde das Thema „Digitalisierung“ als geeignetes und national hochrelevantes Thema abgeleitet, welches unter der Berücksichtigung des nationalen Kontextes lokal in einer Sitzung des Qualitätszirkels bearbeitet wurde. Im Anschluss daran fanden Einzelinterviews mit allen Teilnehmenden des Qualitätszirkels statt, welche mit Grounded Theory ausgewertet wurden. Grounded Theory ermöglicht die Analyse von Prozessabläufen und die Erstellung eines auf empirischen Daten basierenden Modells. Ergebnisse: Der Rücklauf im quantitativen Teil (N=27 Fragebögen) deckte 54% der allgemeinmedizinischen Einrichtungen in Deutschland ab. Die meisten der Einrichtungen (N=26) gaben zwar an, Qualitätssicherung zu betreiben, aber nur wenige (N=6) nannten einen konkreten Standard. Bei der Auswertung der anschließenden Interviews zur Arbeit des Qualitätszirkels im Kontext nationaler Herausforderungen konnte mittels Grounded Theory der selektive Code „dynamische Kontinuität“ entwickelt werden. Dieser stellt ein Modell der Arbeit des Qualitätszirkels dar: Bei der Arbeit im Qualitätszirkel entsteht durch die Multiperspektivität der Teilnehmenden ein anpassungsfähiges Expert:innenwissen, mit welchem eine konstruktive Auseinandersetzung in der Sitzung und in den Zwischenphasen stattfindet. Das Agieren im Qualitätszirkel, sowohl einzeln als auch gemeinsam in der Gruppe ermöglicht die Entstehung neuer Ansätze und lässt ein Wachstum aller Beteiligten und der Gruppe zu. Es entstehen über die einzelnen Sitzungen hinaus Reflektions- und Veränderungsprozesse, die neben der Gruppe und den Teilnehmenden, auch die institutionelle Ebene und die Lehre selbst betreffen. Diskussion: Mit Grounded Theory war es möglich ein bisher wenig beschriebenes Instrument, wie den multiperspektivischen Qualitätszirkel, in einem Arbeitsmodell abzubilden. Die Ergebnisse sind durch das gemischtmethodische Vorgehen mit Einschränkungen national verallgemeinerbar und liefern ein auf dichtem Datenmaterial aufbauendes Modell der Arbeitsweise des Tübinger Qualitätszirkels. Der Qualitätszirkel bietet die Möglichkeit, Herausforderungen und Lösungsansätze mit den unmittelbar an der Lehre Beteiligten und mit aktiver studentischer Partizipation in einem geschützten Rahmen zu diskutieren. In Tübingen ist der multiperspektivische Qualitätszirkel ein anerkannter und wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung in der allgemeinmedizinischen Lehre geworden, welcher auch in der Lehrforschung bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Projekte genutzt werden kann. Das kontinuierliche Fortbestehen des Qualitätszirkel im Spannungsfeld äußerer Einflüsse und innerer Dynamik bezeugt den Erfolg der Arbeit. Die vorliegende Studie liefert für eine Etablierung des Modells auf nationaler Ebene einen möglichen Ansatz und stellt beispielhaft einen gemischtmethodischen Forschungsprozess in der Lehrforschung dar.

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