Evaluierung eines Vektor-EKGs in der sportmedizinischen Diagnostik und Betreuung

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URI: http://hdl.handle.net/10900/119135
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1191358
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-60509
Dokumentart: PhDThesis
Date: 2021-09-23
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Burgstahler, Christof (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-08-03
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
796 - Athletic and outdoor sports and games
Other Keywords: Vektor-EKG
Elektrokardiographie
Sportmedizin
Sportkardiologie
mobiles EKG
License: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de
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Inhaltszusammenfassung:

5 Zusammenfassung Körperliche Aktivität und Sport wirken sich positiv auf die Gesundheit, die Lebenserwartung und die Lebensqualität aus. Dennoch besteht in der Akutsituation der körperlichen Belastung temporär ein erhöhtes Risiko für kardiale Ereignisse, wie den plötzlichen Herztod. Das Herz-Kreislauf-System ist aufgrund diverser körperlicher Anpassungsvorgänge in belastetem Zustand besonders vulnerabel. Kommt jetzt eine angeborene oder erworbene Grunderkrankung des Sporttreibenden hinzu, kann Sport ein kardiales Ereignis triggern. Um potenziell gefährdete Sportler frühzeitig zu identifizieren und das Risiko für kardiale Ereignisse zu minimieren, wird die sportmedizinische Gesundheitsuntersuchung durchgeführt. Hierbei wird derzeit obligat ein 12-Kanal-Ruhe-EKG mit zehn Elektroden abgeleitet. Das 12-Kanal-Ruhe-EKG wird sportmedizinisch unter Anwendung der internationalen Kriterien der EKG Interpretation bei Sportlern anhand normaler (gewöhnlicher) EKG-Veränderungen, Grenzwertbefunden (borderline) und abnormaler (ungewöhnlicher) EKG-Veränderungen interpretiert. Jedoch ist heute ein modernes, portables Vektor-EKG-Gerät verfügbar, das mit vier Elektroden über ein mobiles Endgerät (Smartphone, Tablet) ein 22-Kanal-Ruhe-Vektor-EKG in einer synchronen Messung ableitet. Das Vektor-EKG-Gerät bietet multiple Vor-teile für die sportmedizinische Diagnostik und Betreuung, insbesondere vor Ort in Training und Wettkampf. Hier sind unter anderem die portable Größe, die einfache Handhabung, die reduzierte Anzahl von vier Elektroden, die exakt und schnell an markanten Stellen des Thorax angebracht werden können, und die EKG-Aufzeichnung über das mobile Endgerät, die zudem von nicht-medizinischem Personal vorgenommen werden kann, zu nennen. Um es in der sportmedizinischen Diagnostik und Betreuung einsetzen zu können, ist die klinische und diagnostische Gleichwertigkeit mit dem 12-Kanal-Ruhe-EKG zwingend erforderlich. Daher erfolgte in vorliegender Studie der bisher aus-stehende Head-to-Head-Vergleich des 22-Kanal-Ruhe-Vektor EKGs und des 12-Kanal-Ruhe-EKGs an einem ausgewählten Sportlerkollektiv in kardiologischen Standardparametern und in den internationalen Kriterien der EKG-Interpretation bei Sportlern. Zu-dem wurden die zehn ergänzenden Ableitungen V7 bis V9 und VR3 bis VR9 des 22-Kanal-Ruhe-Vektor-EKGs deskriptiv analysiert. Ergebnis des Vergleichs war die weitestgehende Übereinstimmung der beiden EKG-Ableitungsverfahren. Die charakteristischen Hauptunterschiede zeigten sich im Lage-typ, in den Herzachsen, in den absoluten Amplitudenhöhen, in den (isolierten) Hypertrophiezeichen, im R/S-Umschlag und in der Polarität der T Welle. Daraus resultierten vor-nehmlich Unterschiede in den normalen EKG Veränderungen der erhöhten QRS-Amplitude und des inkompletten Rechtsschenkelblocks und den abnormalen EKG- Veränderungen der T Wellen-Inversion und der pathologischen Q-Zacken. Die Zusammenschau dieser Ergebnisse mit bereits publizierten Resultaten stützt den derzeitigen Einsatz des Vektor-EKGs in der sportmedizinischen Diagnostik und Betreuung als Ergänzung zum konventionell abgeleiteten 12-Kanal-Ruhe-EKG. Dabei ist die Interpretation des Vektor-EKGs stets in Kenntnis und Berücksichtigung der charakteristischen Unterschiede vorzunehmen. Zudem sind bestimmte sportinduzierte EKG-Veränderungen an einem herkömmlich abgeleiteten 12-Kanal-Ruhe-EKG zu befunden. Ebenso sollten klinisch relevante Entscheidungen derzeit basierend auf dem 12-Kanal-Ruhe-EKG getroffen werden. Darüber hinaus ist der Einsatz des technisch vorteilhaften Vektor-EKGs für Verlaufsuntersuchungen möglich. Essenziell ist, dass bei Verlaufsuntersuchungen stets das gleiche Ableitungsverfahren angewandt wird und das Vektor-EKG nur mit dem Vektor-EKG und das 12-Kanal-Ruhe-EKG nur mit dem 12-Kanal-Ruhe-EKG vor allem in absoluten Parametern verglichen wird. Bei der Einordnung des Potenzials der rein deskriptiv analysierten ergänzenden Ableitungen des 22-Kanal-Ruhe-Vektor-EKGs besteht noch Forschungsbedarf. Nach der konsekutiven Evaluierung des Vektor-EKGs in weiterführenden Untersuchungen und der möglichen Anpassung und Weiterentwicklung ist ein zukünftiger Einsatz des Vektor-EKGs mit den erweiterten Möglichkeiten als Alternative zum 12-Kanal-Ruhe-EKG in der sportmedizinischen Diagnostik und Betreuung in Leistungs- und Breitensport denkbar.

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