Erfassung der klinischen Betreuung und Behandlung von Patienten mit operierten ZNS-Metastasen im Zeitraum 2005-2012 am Universitätsklinikum Tübingen

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URI: http://hdl.handle.net/10900/118374
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1183742
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-59748
Dokumentart: Dissertation
Date: 2021-08-31
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Tabatabai, Ghazaleh (Prof. Dr. Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-06-11
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Zentralnervensystem , Metastase , Operation , Neurologie , Neurochirurgie
Other Keywords: Neurokognition
Mammakarzinom
Bronchialkarzinom
Melanom
ZNS
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Inhaltszusammenfassung:

Die Inzidenz von ZNS-Metastasen steigt und ihre Diagnose stellt sowohl Patienten als auch Ärzte vor viele Herausforderungen. Zu den häufigsten Primärtumoren gehören das Bronchialkarzinom, das Mammakarzinom, das Nierenzellkarzinom, das gastrointestinale Karzinom und das maligne Melanom. Die ZNS-Metastasen bleiben asymptomatisch oder äußern sich durch verschiedenste klinisch neurologische Symptome oder Syndrome. Goldstandard in der bildgebenden Diagnostik ist die kontrastmittelgestützte MRT, eine endgültige Diagnose liefert die histopathologische Untersuchung des Gewebes. Die Prognose der Patienten lässt sich derzeit mit Hilfe des unterschiedlicher Scores einschätzen. Die Therapieoptionen der ZNS-Metastasen umfassen die Chirurgie, die Radiotherapie, die systemische Therapie und die supportive symptom-orientierte Therapie. Aufgrund der limitierten Prognose der Patienten spielt die Lebensqualität, hier unter anderem der Erhalt der Neurokognition, eine wichtige Rolle aus der Patienten-Perspektive. Das Ziel dieser Arbeit war eine Darstellung des Patientenkollektivs, das im Zeitraum 2005-2012 an der Universitätsklinik Tübingen wegen einer ZNS-Metastase neurochirurgisch resiziert wurde mit einer Analyse der prä- und postoperativen Behandlungspfads. Diese Erkenntnis soll dazu dienen, die vorhandenen interdisziplinären Strukturen zu analysieren und Optimierungswege zu identifizieren. Es wurde eine retrospektive Erfassung und deskriptive Analyse der Daten durchgeführt. Im besagten Zeitraum wurden 348 Patienten an einer oder mehreren ZNS-Metastasen operiert und in die Untersuchung eingeschlossen. Die häufigsten Primärtumoren in unserer Kohorte waren das maligne Melanom, das Mammakarzinom und das Bronchialkarzinom. Die meisten Patienten hatten eine singuläre Metastase. 87,8% der Patienten hatten einen Karnofsky-Index von mindestens 70%. 18,1% der Patienten erhielt die Diagnose der ZNS-Metastase zeitgleich mit der des Primarius und bei 92,0% wurden eine MRT durchgeführt. Bei 61,5% der Patienten war keine neurologische oder neuroonkologische Vorstellung dokumentiert, 12,3% wurden im Tumorboard des Zentrums für Neuroonkologie vorgestellt und 9,5% erhielten eine psychoonkologische Beratung. Keine neurokognitive Diagnostik wurde bei 93,9% der Patienten. Keine Liquorpunktion bei 81,9% durchgeführt. Einen epileptischen Anfall erlitten 20,1% der Patienten im Krankheitsverlauf. Patienten ohne epileptischen Anfall wurden zu 18,0% mittels EEG untersucht, Patienten mit generalisiertem Anfall zu 77,1% und Patienten mit fokalem Anfall zu 52,2%. Mehr Patienten wurde erst operiert und anschließend durch Bestrahlung oder Systemtherapie behandelt. Die Patientencharakteristika verdeutlichen die Heterogenität der malignen Tumorerkrankungen mit ZNS-Metastasen. Bei der Analyse zeigte sich, dass die Pfade äußerst heterogen waren. Einige Aspekte der Arbeit waren durch den retrospektiven Ansatz nur eingeschränkt aussagekräftig. Die rückwirkend häufig sehr schwierig nachzuvollziehenden Behandlungswege aufgrund der fehlenden Dokumentation trugen hierzu bei. Für eine Optimierung der Behandlungsqualität wird es wichtig sein, standardisierte Patienten-zentrierte Abteilungs-übergreifende Abläufe (vergleichbar zu den Abläufen für primäre ZNS-Tumoren) am Zentrum für Neuroonkologie zu implementieren und deren Einhaltung auch zu monitorieren. Ferner ist eine systematische Erhebung des Patient-reported outcome empfehlenswert. Als zentrale interdisziplinäre Kommunikationsplattform könnte auch für diese Patientinnen und Patienten das Tumorboard des Zentrums für Neuroonkologie dienen.

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