Auswertung von palliativen Zweitlinienchemotherapien des cholangiozellulären Karzinoms im Zeitraum 2005-2015

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URI: http://hdl.handle.net/10900/108810
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1088108
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-50187
Dokumentart: Dissertation
Date: 2020-10-30
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Plentz, Ruben R. (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2020-09-02
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Chemotherapie , Krebs <Medizin>
Other Keywords: Zweitlinie
Zweitlinienchemotherapie
cholangio
cholangiozelluläres Karzinom
FOLFOX
FOLFIRI
ABC-06
Second line
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Inhaltszusammenfassung:

Zusammenfassung Das CCC gehört zu den zweithäufigsten primären Lebertumoren weltweit. In den seltensten Fällen kann eine kurative Operation durchgeführt werden und auch nach chirurgischer Resektion liegt die Rezidivrate in den ersten drei Jahren bei 85%. Die 5-Jahres-Überlebensrate ist mit 17% bei Männern und 15% bei Frauen sehr gering. Zumeist wird der Tumor erst in einem fortgeschrittenen und damit inoperablen Stadium diagnostiziert, daher nimmt die palliative Chemotherapie einen besonderen Stellenwert in der Behandlung des CCC ein. Nachdem 2009 der ABC-02 Trial vorgestellt wurde, der die Überlegenheit der Kombination von Gemcitabin mit Cisplatin als Erstlinientherapie bestätigte, etablierte sich dieses Therapieverfahren zur Behandlung des CCC bis dato. In einer japanischen Studie wurde wiederum eine Verbesserung der palliativen Therapie durch eine Kombinationstherapie von Gemcitabin/Cisplatin und S1 nachgewiesen. Im Hinblick auf die Zweitlinientherapie existierten bislang nur wenige Phase III Studien, die einen Therapiestandard hätten empfehlen können. Eine Zweitlinientherapie erscheint aber vor alle, bei weiterhin fitten Patienten als sinnvoll. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, genauere Aussagen über den Stellenwert der Zweitlinientherapie bei der Behandlung des inoperablen CCCs treffen zu können. Hierzu wurden retrospektiv ausgewählte Daten von insgesamt 73 Patienten/Patientinnen mit fortgeschrittenem CCC analysiert, die in dem Zeitraum 01.01.2005 bis 31.12.2015 am Universitätsklinikum Tübingen nach stattgefundener Erstlinientherapie eine palliative Zweitlinienchemotherapie erhielten. Insgesamt wurden acht verschiedene Zweitlinientherapieregime verabreicht. Die größte Gruppe umfasst 21 Patienten/Patientinnen (28,77%), diese erhielt FOLFIRI. 18 Patienten/Patientinnen (24,66%) wurde FOLFOX verabreicht. 14malig (19,18%) wurde XELOX gegeben. Neun Patienten/Patientinnen (12,33%) erhielten Gemcitabin/ Capecitabin, 5 Patienten/Patientinnen (6,85%) Erlotinib, vier Patienten/Patientinnen (5,48%) Gemcitabin ohne Kombination und zwei Patienten/Patientinnen (2,74%) wurde Gemcitabin/ Cisplatin appliziert. Die durchschnittliche Anzahl an Zyklen belief sich auf 4,6 pro Patient/Patientin (SD 2,4 Zyklen) mit einer durchschnittlichen Dauer einer Zweitlinientherapie von 6,1 Monaten (SD 3,9 Monaten). Im Durchschnitt lag das Gesamtüberleben aller Patienten/Patientinnen bei 13,1 Monaten und die mediane Überlebenszeit bei 10 Monaten. Das mittlere Progressionsfreie Überleben belief sich auf 8,9 Monate, der Median lag bei 7,5 Monaten. Ein signifikanter Unterschied (p = 0,078) wurde im isolierten Vergleich der drei größten Gruppen (FOLFIRI, FOLFOX und XELOX) bezogen auf das Gesamtüberleben ermittelt. Hier bestand eine Überlegenheit im Gesamtüberleben bei den Patienten/Patientinnen, die FOLFOX erhielten mit 14,4 Monaten im Mittelwert. Bei 28 von 71 Patienten/Patientinnen (39,4%) konnte eine Tumorkontrollrate ermittelt werden. Sowohl hämatologische wie auch nicht-hämatologische Nebenwirkungen traten in allen Gruppen häufig auf (78,1 % bzw. 82,2%). Am häufigsten wurde eine Anämie diagnostiziert, gefolgt von einer Thrombozytopenie und einer allgemeinen Übelkeit & Appetitlosigkeit. Insgesamt musste die Zweitlinientherapie in neun Fällen auf Grund von starken Nebenwirkungen abgebrochen werden. Kein signifikanter Unterschied wurde ermittelt hinsichtlich der Frage, ob die Erstlinientherapie einen Einfluss auf das Gesamtüberleben hat. Jedoch zeigte sich bei der Analyse des Zusammenwirkens von Erst- und Zweitlinientherapie dreier Subgruppen ein signifikanter Unterscheid (p = 0,02). Die Patienten/Patientinnen, die als Erstlinientherapie Gemcitabin/ Cisplatin erhielten gefolgt von FOLFOX als Zweitlinienchemotherapie überlebten im Mittelwert (15,5 Monate) wie auch im Median (15 Monate) signifikant am längsten. Die in dieser Arbeit ermittelten Ergebnisse unterstützen grundsätzlich die Kernaussage der multizentrischen, randomisierten Phase III Studie (ABC-06), die auf dem ASCO-Kongress im Jahr 2019 vorgestellt worden ist. Patienten/Patientinnen in einem guten Allgemeinzustand nach Versagen der Erstlinienchemotherapie sollten nach Möglichkeit eine Zeitlinientherapie erhalten. Als Hauptresultat ergibt sich, dass im Vergleich zu einer alleinigen Symptomkontrolle eine Therapie mit mFOLFOX vorteilhaft ist und es naheliegt, dieses Regime als neuen Standard in der palliativen Zweitlinientherapie zu betrachten. In der klinischen Praxis selbst besteht die Herausforderung, für den betroffenen, krankten Patienten/Patientinnen eine möglichst hohe Lebensqualität durch eine differenzierte, individuell adjustierte Auswahl des zur Therapie einzusetzenden Chemotherapeutikums zu erreichen.

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